| Tag | Freitag, 26.06.2020 |
| Entfernung | 624km |
| Reisezeit | 9h mit Pausen |
| Pässe | 0 |
| Wetter | 28°, wolkig, sonnig, trocken |
Urlaub in Zeiten von Covid hat den Charakter des Lotto-Spielen gegen das RKI und paranoide Politiker. Wir sind sicher keine Corona-Leugner, aber es grenzt schon an Schwachsinn, bei geschlossenen Kneipen in Brandenburg, Motorradfahrer anzuhalten, um sie nach Berlin zurück zu schicken.
Wir sind trotz des milden Winters nicht gefahren, Nina hatte sich beim Zug fahren den Arm verdreht und eine Sehne angerissen. Als das Frühjahr kam, war die Sehne zwar wieder ganz, aber die Krone da. Da wir auch nicht das dringende Bedürfnis verspüren, 1000km auf den Naked Bikes abzureißen, geht kurz vor knapp die Suche nach einer Zwischenübernachtung los, "Waldfrieden" war ausgebucht. Bei bikerbetten werden wir fündig, Hotel "Zum Bayerischen Wald" hat auch noch ein Zimmer frei.
Unsere Fellnasen haben wir schon gestern in ihre Sommerresidenz expediert, dann gepackt, so können wir es ruhig angehen lassen und sind um kurz vor 09:00 weg. Ab auf die Stadtautobahn und dann die A9 runter bis Bayreuth, wo wir auf die B22 abbiegen.

Wir fahren die B22 bis Cham und dort auf die B85, die wir beit Tittling verlassen, um auf Nebenstrecken Richtung Wegscheid zu kommen. Der Vorteil von Corona ist, die Straßen sind frei und auch der Anteil der Idioten ist niedriger als sonst. Das Hotel liegt zentral im Ort, davor stehen drei Tische, ansonsten ist es am Hang gebaut. Wir sollen hintenrum auf den Parkplatz fahren, unser Zeug nehmen und würden dann unsere Zimmer bekommen.
Wir tun wie geheißen. Der Parkplatz ist eine steile Gefällestrecke, auf der die Parkplätze in Fahrtrichtung links sind. Der einzige ebene und überdachte Platz ist bis in 2,5m Höhe mit Brennholz belegt. Offenkundig braucht man sich bei bikerbetten nur anzumelden, das scheint die einzige Voraussetzung zu sein. Für Motorräder geeignete Parkplätze sind nicht Voraussetzung. Wir stellen uns gegen den Berg vor einen vorgebauten Ausgang.
Jeder schultert seine 30kg Gepäck, nimmt den Helm und dann latscht man die komplette Steigung und ein Stockwerk hoch, um den Schlüssel zu bekommen. Dann noch ein Stockwerk hoch. Motorradfahrer lieben den abendlichen Sport nach einer Tagestour. Das Zimmer hat den deutlich abgenutzten Charme der bayerischen Provinz der späten 70er oder frühen 80er des letzten Jahrhunderts. Uns wird klar, bikerbetten ist wahrscheinlich einer der Strohhalme mit dem man versucht, ein herrunter gewirtschftetes Hotel zu retten. Auch hier schließt die Küche zu einem Zeitpunkt, zu dem man in Berlin losgeht und sich eine Eßgelegenheit sucht. Entsprechend dem Ambiente ist auch die Anzahl der freien Steckdosen im Zimmer.
Also mal wieder Abendessen in Motorradklamotten. Das Essen ist die Überraschung schlechtin, das Gemüse ist frisch und hat noch Biss, alle Fleischsorten auf Thortis Grillteller sind auf den Punkt gebraten, die Pommes sind cross und Ninas Rahmschnitzel liegt auf der Soße und wird nicht von ihr durchtränkt und erschlagen.
Am Nachbartisch sitzen zwei Motorradfahrer aus Neumarkt in der Oberpfalz, die, im Gegensatz zum lokalen Dialekt, halbwegs zu verstehen sind. Die wollen nicht glauben, dass wir morgens in Berlin gestartet sind und noch weniger, dass wir die Strecke bis nach Tröpolach auch schon durchgeahren sind oder bis Trento.
| Übernachten | Hotel Zum Bayerischen Wald |
| Essen | Gemischter Grillteller und Rahmschnitzel |
| Kommentar | Das Abendessen war sehr gut, der Rest ist eher unterirdisch, für Motorradfahrer nicht geeignet. |