Nein, keine Motorrad-Tour nach Wacken, obwohl es vom Wetter dieses Jahr möglich gewesen wäre, es waren auch einige da, wir wollen es etwas bequemer. Wer die Vorgeschichte kennt, weiß,
nachdem wir Karten für W:O:A 2026 hatten, haben wir kurz entschlossen einen Camper-Van gekauft. MB-Sprinter, 7m lang, 3m hoch, dank Trenn-Toilette, Kühlschrank,
Gasherd, Photovoltaik-Anlage, 260Ah-Speicher-Batterie und Dieselstandheizung autark. Wie lange werden wir testen. Wassertank ist gefüllt, Leitungen durchgespült, Notfall-Lebensmittel
(keine Getränke - außer 3l Rotwein-Box und 4 Dosen Cassis-Spritz), Grillkohle und Grillgut sind gepackt, Eiswürfel im Gefrierfach, die Fellnase ist in ihr Feriendomizil expediert, es kann losgehen.
Wacken! Wir kommen!
Wettervorhersagen für Wacken sind mit einem erheblichen Unsicherheitsfaktor ausgestattet, aber als wir abfahren, sieht es sowohl in B als auch in Wacken nach schönem Wetter aus. Das lässt
hoffen, wir haben eine der begehrten Parzellen in Bauer-Uwe´s-Garten erwischt. Wobei Garten für die Größe der Wiesen DIE Untertreibung der letzten 2026 Jahre ist.
Parzellengröße, 8*6m, das sollte reichen. Ob unserer frühen Anreise spekulieren wir auf ein Platz nahe dem Infield und befürchten einen Stau, zumindest im Anfahrt-Bereich
zum Garten.
Oh Wunder, kein Stau, nirgendwo, knapp 5 Minuten nach dem unsere Tickets gescannt wurden, haben wir unseren Stellplatz.
Um kurz vor 16:30 sind wir auf dem Holy Ground, Zeit für eine Zigarette.
Herausforderung Nr. 1, einen Pavilliom aufbauen, den wir vor 20 Jahren eingemottet haben. Unsere, eigentlich bereits montierte Außenmarkisse mit Seitenwänden wartet auf
Befestigungsmaterial, also muss aufgrund der vermuteten Niederschläge eine Ersatzlösung her, eben jener Pavillion.
Herausforderung Nr. 2, die Tickets in Access-Bändchen umwandeln. Sind nur 970m Luftlinie. Nur! Aufgrund der Wegeführung ein Marsch von über 2km, einfache Tour, durch unebenes
Gelände. Aber nicht nur Bändchen-Ausgabe, Infield, Verkauf und Merchandising sind auch dort. Wir sind zwar schmerzfrei angekommen, dafür stehen wir ganz am Rand vom Garten, in der
vorvoretzten Reihe. Das war so nicht geplant, der Rest muss schon Montag und Dienstag angereist sein. Also vormerken; Frühes Erscheinen sichert beste Plätze.
Ninchen muss die letzten Meter alleine gehen und soll noch Dosen-Bier und Wasser kaufen. Thorti sitzt währenddessen auf einem Camping-Drei-Bein an einer verkehrsreichen Kreuzung und beobachtet
Metalheads, ob der Menschenmassen eine kurzweilige Angelegenheit. Nach einer Stunde ist Ninchen zurück und wir machen uns mit einem Wegbier auf den Rückweg. Zwischendrin noch kurz eine
Wurst und ein Steak im Brötchen, beides schmackhaft, erreichen wir Nr. 2680 noch vor dem Dunkelwerden.
Wir haben sehr unterhaltsame Nachbarn, die der Meinungs sind, ein Bus, ein Kombi, ein Pavillion sowie 3 Zelte für 6 Personen passen auf 48qm. Das Chaos wird von Thorti kommentiert, zum Glück sind die aus DO, K und KO, ziemlich entspannt und ebenfalls um keinen Spruch verlegen.
Der Abend ist lau und klar, ein schöner Mond scheint und wir genießen unseren Rotwein.
Es wird heute warm, über 30°. auf den Bühnen läuft nichts, was uns vom Hocker haut. Also Auszeit, insbesondere für Thorti. Womit wir das tun, was ein unterbeschäftigter Metalheaad so tut. Um 10:30 startet ein ausgedehntes zweites Frühstück.
Das zweite Frühstück geht nahtlos in die Vorbereitugen zum Abendessen über. Man darf im Garten nicht nur Generatoren betreiben, was schräg gegenüber 6 Schwaben, angereist mit 4 Wohnmobilen, gefühlt den ganzen Tag auch tun, sondern man darf auch selber grillen. Ein Schauspiel sondergleichen, ganze Gasgrillstationen (die Schwaben) bis hin zum 10-Euro-Baumarktgrill. Das Können ist diametral zum eingesetzten Material.
Den Tag über hat Nina herausgefunden, in dem nahegelegenen Frühstückszelt werden nicht nur Kaffee, Brötchen und belegte Brötchen verkauft, sondern auch das wichtigste Lebensmittel, Bier! Das erleichtert den Nachschub ungemein. Von den lustigen Nachbarn kommt der Tipp, für Thortis Einschränkung könnte man Hilfsmittel kostenlos ausleihen.
Thorti fällt aus dem Van in einen Sessel, Thorti sitzt noch nicht richtig, als eine der Nachbarinnen ihn mit Infos zu den Hilfsmitteln überfällt. Fataler Fehler, ihre Freundin unterbricht den Redeschwall mit den Worten, "Der ist noch nicht aufnahmebereit.". Sehr richtig, fürchterlich diese Leute, die aufstehen und zu 100% da sind. Nina steht auf, sofort ist die Nachbarin da und Nina bekommt die Infos. War wirklich nett, dass die sich gekümmert haben.
Heute soll es bewölkt sein und nur 23° werden, Zwei supergute Kaffee später, macht sich Nina auf die Socken ans andere Ende der Area. Gute 1,5h später ist sie mit einem Rollator zurück, gegen die Hinterlegung des Autoschlüssels. Mit dabei T-Shirts, Patches und der unvermeidliche Kühlschrankmagnet.
Nachmittags dann der Schreck, unsere Bierquelle ist versiegt, also macht sich Nina auf den Weg zur nächsten, etwa 1km entfernt. Auch dort gibt es nur die Zuckerplörre namens "Becks Lemon", Freitag Nachmittag, direkt vor den Headlinern und das Bier ist alle, peinlich, peinlich. Als unsere Nachbarn zurückkehren, berichten auch sie, kein Dosenbier verfügbar.
Eine für den Nachmittag angekündigte Gewitterfront erweist sich als kurze Husche, was für ein Glück, wir haben beschlossen "Judas Priest", Headliner aus Metal-Opas. anzusehen. Für die Husche haben wir extra ein Seitenteil aufgespannt, da wir in Nord-Nord-West-Richtung stehen. Neben der Besichtigung der Metal-Opas, will Nina zudem den Pfand von ihren Autoschlüssel in den Führerschein tauschen. Also machen wir uns mit Gehhilfe auf den Weg. Erstaunlich, man kann Strecken in etlichen Minuten zurücklegen, für die man sonst wenige Stunden benötigt.
Für ein Metal-Festival sind auffällig wenige Leute mit Bierbechern unterwegs. Denen ist doch nicht etwa auch das Bier im Ausschank ausgegangen?
Obwohl wir im Infield noch einen erheblichen Weg haben, sind wir rechtzeitig zum Beginn da. Wir haben kaum einen Platz gefunden, als es los geht.
Wir haben Durst, der Pegel ist gefährlich gefallen, in der Nähe gibt es einen Ausschank. Nina kommt nach wenigen Minuten, oh Wunder, mit zwei Bechern Bier wieder. Und damit sind diverse
Fragen auf ein Mal beantwortet. Anheuser-Busch-Bud, amerikanische Lager-Dünnbier-Plörre.
Nicht trinkbar, wenn nur der Durst nicht wäre!
Das dieser sinnfreie Verbrauch von Getreide, Hopfen und Wasser Bier heißen darf, ist eine Unverschätheit. Oder um es mit einem neuseeländischen Metalhead zu sagen,
wörtlich, "Da kann ich auch meine Pisse trinken,". Dem ist nichts hinzuzufügen.
Nachdem wir uns die Plörre, geschenkt ist noch zu teuer, runter geekelt haben, genießen wir das Konzert.
Wir machen uns auf den Rückweg. Mit Bier wird das heute nix mehr, aber wir haben noch Rotwein und Wasser, zudem hat Nina irgendwo Äppelwoi in der Dose aufgetrieben, der schmeckt sogar.
Wir machen es uns unter dem Pavillion gemütlich und spekulieren über die Standheizung, die mit einem neuen Bedienmodul versehen wurde. Heute Nacht soll es schattig werden und wenn wir schon den Luxus haben, warum ihn dann nicht auch nutzen? Ein Foto von dem Wegbegleiter Gehhilfe muss auch noch sein, die muss morgen zurück. Trotz Ausrichtung der Panels nach Nord-Nord-West, dem Dauerbetrieb des Kühlschranks und der Abluftanlage, hat die Batterie-Anzeige nicht ein Mal gezuckt, geschweige dann Ladezustände unter voll angezeigt.
Da unseren Nachbarn der Strom für den Kühlschrank ausgeht, werden wir morgen anbieten, dass sie ihre Landstrom-Steckdose bei uns anschliessen können, zimmerwarme Leberwurst ist kein Geschmacks-Highlight.
Frühstück!
Außer gutem Kaffee gibt es auch gute Nachrichten. Bier ist wieder im Früstückszelt verfügbar.
Schnelle Überprüfung des Line-Up, nee, es spielt nichts, was uns wirklich interessiert. Thorsten Sträter oder die Wacken Firefighters, sind okay, aber der Weg dafür lohnt eher nicht. Also Zweit-Frühstücksvorräte anlegen, einziger Wermutstropfen, Nina muss den Rollator zurück bringen. Es wird wärmer als vorhergesagt und bewölkt ist es auch nicht. Wir nehmen unser Seitenteil wieder ab. Nein, die Nachbarn wollen keinen Strom, die Erklärung ist etwas konfus, aber gut, des Menschen Wille sei sein Himmelreich.
Da wir ausgiebig frühstücken, beginnt das zweite Frückstück heute später, macht nichts. Heute abend, dann wieder der nahtlose Übergang zum abendlichen Grillen. Nachmittags macht sich Nina auf den Weg, den Rollator abzugeben, nachdem wir die Wacken-Becher aus der Tasche geräumt haben. Thorti trifft währenddessen die Vorbereitungen zum Grillen.
Wir haben eine unterhaltsame Show, die Schwaben bereiten ihre Abreise vor. Der Kaffee-Vollautomat und der Gasgrill werden verräumt, die Hussen und die Bistrotische ebenso, dann die Hochlehner, die Pavillions, Schuhe, Geschirr, Besteck wird spazieren getragen, der Generator dreht eine Ehrenrunde. Für uns sehr entspannt und unterhaltsam, anderen bei der Arbeit zuzusehen.
Die Standheizung hat letzte Nacht gut funktioniert, Nina will heute Nacht eine andere Einstellung testen, es soll wieder schattig werden.
Bis 12:00 soll man das Gelände verlassen haben - die Frage, was passiert, wenn nicht?
Egal, als wir aufstehen, gibt es bereits deutliche Lücken, auch die Schwaben sind schon weg. Rund um uns bricht Hektik aus. Nun, wir müssen den Pavillion abbauen, zwei Sessel, einen Tisch
und einen Grill zusammenpacken, so etwa 30Minuten. Nur kein Streß! Da heute das zweite Frühstück ausfallen muss, wird dass erste um so ausgiebiger. Unsere lustigen Nachbarn haben noch eine
Überraschung für Thorti.
Einer der Nachbarn kommt und hält Thorti einen Getränkebecher unter die Nase, mit dem typischen Logo. Hmmm? Er hätte gehört, das sei etwas für mich. Dann dreht er den
Becher herum, auf der Rückseite das Konterfei des verstorbenen "Lemmy". Für einen motörhead-Fan der ersten Stunde! Thorti ist völlig perplex, was sicher eher die
Ausnahme ist. Auf die Frage, woher er das wüßte, kommt aus dem Hintergrund von Nina, das war jetzt ein "Dankeschön" und eine Umarmung. Also, abgekartetes Spiel.
Er hatte irgendwo einen solchen Becher gefunden, Nina gezeigt und hat danach einen zweiten gesucht und gefunden.
Um 10:00 sind unsere Nachbarn weg, rundum leerrt es sich und die Leute stehen zum Teil 10 Minuten, bevor wieder ein Fahrzeug das Gelände verlassen kann. Wir machen langsam, um kurz
nach 12:00 sind wir gepackt, einzige Hinterlassenschaft von uns, ein halb gefüllter gelber Sack und platt gedrücktes Gras. Die anderen Parzellen sehen auch so aus. Der Stau hat sich
aufgelöst, jetzt ist Stop-and-Go.
Lustig, wir haben mehr im Kühlschrank. als bei unserer Anreise. Genauer, 3 Dosen Bier, 3 Dosen Zuckerplörre, 1 Dose Appelwoi, 4,5l Mineralwasser, 1l Rotwein in der Box. Nach mehreren Staus sind
wir um 19:00 zuhause und leeren vor dem Van je 1 Dose Wacken-Bier.
Abends um 22:00 haben wir dann die Karten für 2027 gekauft. :-)
Wir sind wirklich autark, für mindestens 4 Tage. Kein zusätzliches Wasser, keine andere Toilette benutzt, die Speicherbatterie kannte nur einen Zustand, voll und das trotz dauerhaftem Betrieb
von Kühlschrank und Abluft-Anlage.
Ansonsten hatten wir Spaß, Erholung und Krach. 85.000 Gleichgesinnte auf 360ha.